Die Schuhe des Papstes

Die roten Schuhe werden im Geburtshaus Papst Bendedikt XVI. nicht als Devotionalie oder gar Reliquie präsentiert, die nur deswegen einen Wert haben, weil der Papst sie getragen hat. Sie stehen vielmehr als Symbol für das Denken Josef Ratzingers.
Dafür sorgen folgende inszenatorische Mittel: Die Schuhe werden geerdet, auf den Boden gestellt – dorthin, wo sie ihrem Wesen nach hingehören; wir sehen sie von hinten, sie gehen bildhaft von uns weg. Räumlich ist die Inszenierung dem Thema des Amtsverzichtes des Papstes zugeordnet.
Zugleich wird mit der Vitrine ein materielles Umfeld geschaffen, das dem Objekt Halt gibt und eine dezidierte Haltung zeigt. Die Verwendung von Spiegeln greift ein barockes Thema auf, das durchaus auf die Semantik der Roten Schuhe verweist. Spiegel entmaterialisieren und reflektieren – in passendes Bild für den intellektuellen Geist Ratzingers. Die Vitrine ist vollständig mit Spiegeln ausgekleidet. Oben und unten stehen sie sich gegenüber und erzeugen eine endlose Spiegelung – ein Sinnbild für Transzendenz. Die vertikalen Spiegelwände bilden einen rechten Winkel. Der Blick in diesen rechten = richtigen Winkel lässt den Betrachter das Objekt und sich selbst im rechten Licht sehen. Es ist kein normaler Blick in einen Spiegel; der Mensch sieht sich hier so, wie er sich sähe, wenn er vor sich selbst stünde. Und noch etwas schafft der rechte Spiegelwinkel: es gibt keinen Platz im Raum, an dem man sich nicht darin reflektiert – kein Entkommen. Die Spiegelinszenierung öffnet den Raum. Sie soll den Betrachter zum Nachdenken anregen: über sich selbst, über die Kirche und über unsere Gesellschaft.